Mit der Forschungsausfahrt HE681 hat das Reallabor 70 GW Offshore Wind die zweite Runde der Datenerhebung im Feld erfolgreich abgeschlossen. Im Juni 2026 war ein Team von Wissenschaftler*innen des ICBM Oldenburg, des Ludwig-Franzius-Instituts und des ISD Hannover mit dem Forschungsschiff Heincke in der Deutschen Nordsee unterwegs. Parallel dazu fanden Messflüge des Instituts für Flugführung der TU Braunschweig statt.

Rückblick: Erste Ausfahrt im Herbst 2025

Bereits im Herbst 2025 konnte mit der ersten Ausfahrt (HE671) die Grundlage für den entstehenden Datensatz gelegt werden. Im direkten Anschluss an einen Herbststurm boten sich wertvolle Einblicke in die Nachwirkungen von Extremwetterereignissen. So konnten Messungen nicht nur unter typischen Bedingungen, sondern auch unter ausgeprägten dynamischen Einflüssen durchgeführt werden. Zu den Highlights zählten die Ausbringung und Bergung von frei treibenden Driftern, die Dokumentation von Strömungsrichtungen und -geschwindigkeiten in drei verschiedenen räumlichen Skalen (Großräumig in und um ganze Windparks, im Nahfeld einzelner Windenergieanlagen sowie stationäre Langzeitmessungen an zwei Verankerungen)  sowie die Analyse von optischen, stofflichen und biologischen Eigenschaften des Wasserkörpers.

Frühjahr 2026: Saisonale Veränderungen im Fokus

In der Deutschen Nordsee spielen saisonale Veränderungen eine entscheidende Rolle. Während im Herbst und Winter gut durchmischte Verhältnisse dominieren, beginnt sich im Frühjahr eine stabile Schichtung von Wassermassen mit unterschiedlicher Temperatur und Dichte auszubilden. Ein konkreter Fokus der Messfahrt lag deshalb darauf, die Unterschiede zur ersten Ausfahrt zu dokumentieren. Kernfrage war, wie die veränderten Strömungsprozesse um einzelne Windräder und ganze Parks diesen geschichteten Zustand möglicherweise beeinflussen.

Erstmals koordinierte Messkampagne aus Luft und Wasser

Ein besonderer Höhepunkt war neben der ersten Bergung der Langzeitmessstationen – die einen Datensatz über die vergangenen sieben Monate liefern – die koordinierte Durchführung eines umfangreichen Messprogramms innerhalb des Gesamtprojekts. Dazu zählten unter anderem Befliegungen durch das Institut für Flugführung der TU Braunschweig sowie LiDAR-Messungen von ForWind Oldenburg. Diese kombinierte Datenerhebung ermöglichte erstmals eine eng verzahnte Betrachtung verschiedener Skalen, Methoden und übergreifender Prozesse in Wassersäule und Atmosphäre.

Das Forschungsflugzeug der TU Braunschweig (Institut für Flugführung) – eine Cessna F406 mit einer Fünf-Loch-Sonde am Nasenmast und weiteren Atmosphärensensoren – war dabei koordiniert mit der Heincke im Einsatz. Während das Schiff im Windpark Wasser- und Strömungsdaten erhob, flog das Flugzeug zeitgleich über dasselbe Gebiet und erfasste die Veränderung des Windfeldes und der Meeresoberfläche durch Windparks. So entstand ein simultaner Datensatz von der Wassersäule über die Meeresoberfläche bis in die Atmosphäre – in dieser Kombination weltweit einmalig.

Mit Messungen in und um Offshore-Windparks wird von 2025 bis 2027 in insgesamt vier Forschungsfahrten ein einzigartiger Datensatz zur Interaktion von Offshore-Windparks mit der marinen Umwelt erfasst.

Mehr Informationen zu den Messkampagnen im Reallabor 70 GW Offshore Wind: reallabor.offshore.uol.de/messkampagnen/